Qualitätskriterien für organische Spurenstoffe in Oberflächengewässern

Qualitätskriterien für organische Spurenstoffe in Oberflächengewässern

In Schweizer Gewässern werden regelmässig zahlreiche Schadstoffe nachgewiesen, die Wasserorganismen und so das ökologische Gleichgewicht der Gewässer beeinträchtigen können. Um die Wasserqualität zu beurteilen, werden europaweit ökotoxikologisch basierte Grenzwerte oder Qualitätskriterien verwendet, unterhalb derer keine schädlichen Wirkungen auftreten sollten. In der Schweiz sind diese Werte noch nicht in der Gesetzgebung verankert, jedoch soll sich dies bald ändern.

Qualitätskriterien werden auf Basis der akuten und chronischen Schädigung von Umweltorganismen mit Hilfe von Risikobewertungsmodellen abgeleitet. Das Oekotoxzentrum hat Qualitätskriterien für zahlreiche Umweltverunreinigungen hergeleitet. Zur Ableitung wurde das Technical Guidance Document der Europäischen Union (EU) angewandt. Die dazu verwendeten ökotoxikologischen Effektdaten und die resultierenden Qualitätskriterien wurden in Zusammenarbeit mit externen Experten und unabhängigen Gutachtern beurteilt und auf ihre Zuverlässigkeit und Relevanz überprüft.

Vorschläge des Oekotoxzentrums für Qualitätskriterien für ausgewählte Stoffe
Verfahren zur Herleitung der Qualitätskriterien

Das Oekotoxzentrum tauscht seine Daten und Erfahrungen zu Qualitätskriterien mit mehreren EU-Nationen aus. Der Informationsaustausch soll zu einer Harmonisierung der Qualitätsstandards beitragen und redundante Arbeiten verhindern. Es gibt zwei wichtige internationale Gremien in diesem Bereich.

1) In der EU „Working Group Chemicals“ der Wasserrahmenrichtlinie entwickeln die Mitgliedstaaten Qualitätskriterien für prioritäre Substanzen (Chemikalien, deren Bewertung als dringlich betrachtet wird) und beziehen auch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und andere Stakeholderorganisationen ein. Zusätzlich zu den 45 bestehenden prioritären EU-Substanzen werden zur Zeit 30 weitere Substanzen als Kandidaten für die Ergänzungn der Liste der prioritären Substanzen geprüft. Von diesen werden von der EU derzeit 6 Substanzen bearbeitet, die auch für die Schweiz relevant sind (u.a. 17-alpha-Ethinylestradiol, 17-beta Estradiol, Diclofenac, Ibuprofen und Triclosan), und vom Oekotoxzentrum bearbeitet werden.
2) In informellen multilateralen Treffen tauschen Mitgliedstaaten der EU ihre Erfahrungen aus und entwickeln gemeinsame Ansätze, um Qualitätskriterien für spezifische Umweltverunreinigungen festzusetzen. Hier können stärker nationale Interessen für Stoffe berücksichtigt werden, die auf EU Ebene nicht priorisiert wurden.

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Dr. Marion Junghans
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