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Mischungstoxizität macht „harmlose“ Schadstoffkonzentrationen giftig – EU Gesetzgebung sollte angepasst werden

25. November 2014, Thema: Aquatische Ökotoxikologie, Risikobewertung

Mischungstoxizität macht „harmlose“ Schadstoffkonzentrationen giftig – EU Gesetzgebung sollte angepasst werden

Wissenschaftler und Politiker diskutieren immer häufiger über das Risiko, das durch die komplexen Chemikalienmischungen in der Umwelt für Umweltorganismen und Menschen besteht. Um mehr über dieses Risiko zu erfahren, hat sich das Oekotoxzentrum zusammen mit 15 anderen Labors an einem Ringtest beteiligt und zwei Mischungen von Pflanzenschutzmitteln, Arzneimitteln, Schwermetallen und anderen Substanzen auf ihre toxische Wirkung getestet. In beiden Mischungen lagen alle Einzelsubstanzen in Konzentrationen vor, die nach der aktuellen Gesetzgebung der Europäischen Union als unbedenklich gelten.

Die Wissenschaftler führten 35 verschiedene Biotests mit insgesamt 11 Organismen durch, die alle unterschiedliche Ernährungsebenen repräsentierten. Die Substanzmischungen bewirkten toxische Effekte bei Bakterien, Nematoden, Krebsen, Amphibien und Fischen. Diese Resultate stellen die Methoden in Frage, die derzeit benutzt werden, um das Risiko von Chemikalien auf die Umwelt zu bewerten. Die momentan gültigen regulatorischen Grenzwerte (EQS) beruhen auf der Toxizität von Einzelsubstanzen und bieten gemäss den Ergebnissen der Studie nicht genug Schutz, wenn mehrere Chemikalien gleichzeitig anwesend sind. Dies ist in der Natur jedoch fast immer der Fall. Es muss also damit gerechnet werden, dass chemische Mischungen auch dann schädlich wirken können, wenn die einzelnen Schadstoffe in scheinbar harmlosen Konzentrationen auftreten.

Carvalho, R.N. et al. (2014) Mixtures of chemical pollutants at European Safety concentrations: how safe are they? Toxicological Sciences doi: 10.1093/toxsci/kfu118

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