24. April 2026, Thema: Aquatische Ökotoxikologie Sedimentökotoxikologie
Dynamische Schadstoffträger: Qualität der Schwebstoffe im Genfersee
Schwebstoffe sind ein oft unterschätztes, aber zentrales Kompartiment in Gewässern. Sie binden Nähr- und Schadstoffe und transportieren sie durch die Wassersäule. Eine neue Studie aus dem Genfersee zeigt, wie stark sich die chemische und ökotoxikologische Qualität dieser Partikel mit der Zeit verändern kann – und welche Rolle Extremwetterereignisse, Zuflüsse und biologische Prozesse dabei spielen.
Im Wasser von Seen treiben unzählige mikroskopisch kleine Partikel, sogenannte Schwebstoffe. Sie wirken wie mobile Sammler für Stoffe aus der Umgebung: Gelöste Substanzen werden an ihrer Oberfläche angereichert und weitertransportiert. Damit bilden die Partikel eine dynamische Verbindung zwischen Wassersäule und Sediment. Gerade diese Dynamik macht sie für Forschende besonders interessant. Während Sedimente eher ein langfristiges Archiv der Umweltbedingungen darstellen, spiegeln Schwebstoffe kurzfristige Veränderungen im Stoffhaushalt eines Sees wider.
Schwebstoffe als Schlüsselkompartment
Schwebstoffe dienen für viele Organismen als Nahrungsquelle, zugleich können sie Schadstoffe enthalten. Ihre chemische Zusammensetzung und mögliche Ökotoxizität geben daher wichtige Hinweise auf den Gesundheitszustand eines Sees. Das Oekotoxzentrum hat die Qualität der Schwebstoffe im Genfersee von März 23 bis April 24 charakterisiert. «Dank der Versuchsplattform LéXPLORE konnten wir in verschiedenen Tiefen Schwebstofffallen installieren und zur Probenahme verwenden», erklärt Projektleiterin Rébecca Beauvais. «Anschliessend haben wir die Partikel chemisch analysiert und ihre Wirkung auf das Wachstum und Überleben von Muschelkrebsen beobachtet.»
Wie erwartet war der Gehalt an Schwebstoffen im Sommer besonders hoch, da die Schneeschmelze zu einem erhöhten Eintrag durch die Rhone führt. Auffällig waren aber auch Spitzenwerte im Zusammenhang mit Starkregen und hohen Wellen, welche zur Resuspension von Sedimenten im See und seinen Zuflüssen führten.