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Neues Grossprojekt zur Risikobewertung von Chemikalien

13. Mai 2022, Thema: Risikobewertung

Neues Grossprojekt zur Risikobewertung von Chemikalien

Das Oekotoxzentrum vergleicht zusammen mit Partnern aus der Schweiz und der EU die prospektive und retrospektive Risikobeurteilung von Pestiziden und entwickelt Bewertungsansätze und Konzepte weiter. Weitere Aktivitäten betreffen die Bewertung von Stoffgemischen und das Monitoring von hormonaktiven Stoffen und perfluorierten Chemikalien in der Umwelt.

Die schädlichen Auswirkungen von Chemikalien sollen verringert werden: Dies steht im Zentrum der Politik weltweit. Nur so können laut den Vereinten Nationen die nachhaltigen Entwicklungsziele erreicht werden. Eine Abnahme der Chemikalieneffekte ist auch eines der Ziele des 7. Umweltaktionsprogramms der EU und eine wichtige Komponente des Green Deal, mit dem die Europäische Kommission den Klimawandel bekämpfen und die Umwelt verbessern möchte. Am 1. Mai wurde daher unter dem Finanzierungsprogramm Horizon der EU das PARC Projekt für die Risikobewertung von Chemikalien (PARC = Partnership for the Assessment of Risks from Chemicals) gestartet, das mit über 200 Projektpartnern aus ganz Europa und einem Budget von 400 Mio. € eines der grössten Projekte dieser Art weltweit ist. Das Oekotoxzentrum beteiligt sich an mehreren Modulen des ambitionierten Programms.

Innovative Methoden für Analytik und Risikobewertung

PARC möchte die Organisationen der EU und ihrer Mitgliedsländer unterstützen, die für die Bewertung von chemischen Risiken und das Risikomanagement verantwortlich sind. So werden Methoden entwickelt und verbessert, um neue Schadstoffe mit Hilfe von non-target screening und suspect screening zu erkennen und Schadstoffmischungen zu überwachen. In der Ökotoxikologie soll die Bewertung von Stoffgemischen, von Umwelthormonen und von Immuntoxizität verbessert werden. Um mit der grossen Anzahl an Chemikalien fertig zu werden, werden ausserdem In-vitro-Hochdurchsatztests, 'omics, High-Content-Analysen und Methoden der computergestützten Toxikologie weiterentwickelt.

Innovative Methoden für die Risikobewertung stehen ebenfalls auf dem Programm. Die Registrierung und Risikobewertung von Chemikalien in Europa ist momentan auf verschiedene rechtliche Rahmenwerke verteilt: Dies soll sich nach dem Grundsatz „Ein Stoff, eine Bewertung“ aus dem Green Deal ändern, der eine einheitliche Bewertung für alle Rahmenwerke anstrebt. Das Oekotoxzentrum ist über die nächsten 7 Jahre an mehreren Modulen von PARC beteiligt.

Unterschiedliche Grenzwerte für dieselbe Chemikalie

So leitet das Oekotoxzentrum zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt eine Fallstudie, in der die Risikobewertung von Pestiziden in den verschiedenen rechtlichen Rahmenwerken analysiert wird. Die Wirkung von Pestiziden (Pflanzenschutzmittel und Biozide) wird sowohl im Rahmen ihrer Zulassung (prospektive Risikobewertung) als auch zur Bestimmung von Umweltgrenzwerten (retrospektive Risikobewertung) bestimmt. Dadurch können für jede Substanz, je nach Einsatzgebiet, bis zu 3 unterschiedliche regulatorische Effektwerte existieren, da sich die Geltungsbereiche und Schutzziele der verschiedenen Rechtsrahmen unterscheiden: RAC (regulatory acceptable concentrations) aus dem Pflanzenschutzmittel-Zulassungsverfahren, PNEC (predicted no effects concentrations) aus der Biozidprodukteverordnung und EQS (environmental quality standards) aus der Umweltgesetzgebung.

In einem ersten Schritt analysieren die Forscherinnen die Eigenschaften und Ähnlichkeiten zwischen der prospektiven und der retrospektiven Risikobewertung von Pestiziden, um mögliche Limitationen und Widersprüche des Systems aufzuzeigen. In einer zweiten Phase untersuchen sie die Effekte in Bächen in Landwirtschaftsgebieten, die die Stoffe in Konzentrationen oberhalb ihrer Effektwerte enthalten. Die Resultate sollen zeigen, wie die unterschiedlichen Effektwerte verwendet und interpretiert werden sollten. Auf dieser Basis möchten die Forscherinnen einen Vorschlag für die Regulatoren in den verschiedenen Rechtsrahmen entwickeln, wie diese am besten zusammenarbeiten sollten und wie die Ansätze aneinander angeglichen werden könnten.

Ausserdem beteiligt sich das Oekotoxzentrum an Projekten für die Bewertung und das Management von Stoffgemischen, die Förderung der Biodiversität und das Monitoring von hormonaktiven Stoffen und perfluorierten Verbindungen in Europa.

Kontakt

Dr. Marion Junghans
Dr. Marion Junghans E-Mail Kontakt Tel. +41 (0) 58 765 5401

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